Fachärzte für Augenheilkunde Gemeinschaftspraxis Dres. med. Gersema, Kloss und Weber
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Gibt es denn keine Brille für alle Entfernungen?

Doch, die gibt es. In den meisten Fällen lassen sich sog. Mehrstärkengläser verwenden. Damit brauchen Sie nur eine Brille.
Das Zweistärken- oder Bifokalglas ist ein Brillenglas für die Ferne mit einem fast unsichtbaren Zusatzteil für die Nähe.
Das Dreistärken- oder Trifokalglas vereint sogar drei unterschiedliche Korrektionszonen, weil etwa vom 55. Lebensjahr an das Akkommodationsvermögen soweit abgenommen hat, daß für das Sehen in mittlere Entfernungen (50 cm - 1 m) zusätzlich ein Zwischenteil benötigt wird (Abbildung). Durch diesen Bereich können Sie dann z.B. die Auslagen und Preise in den Geschäften klar sehen oder die nähere Umgebung Ihres Arbeitsplatzes. Für die meisten handwerklichen Tätigkeiten ist ebenfalls der mittlere Zusatz unerläßlich. Sie werden ihn auch brauchen, wenn Sie ein Musikinstrument nach Noten spielen.

Das Zweistärken-Glas:
Mit fast unsichtbar eingeschmolzenem Nahteil. In verschiedenen Formen und Größen. Für unterschiedliche Verwendung.

Das Dreistärken-Glas:
Für drei Sehbereiche: Ferne, Zwischenbereich, Nähe. Wenn sich mit der Zeit die Augen immer weniger anpassen.

Was ist zu beachten,
wenn man zum ersten Mal eine Mehrstärkenbrille trägt ?

Die unterschiedlichen Korrektionszonen sind so angeordnet, daß der Blick automatisch durch den Bereich fällt, der für die jeweilige Sehaufgabe richtig ist. Faßt man ein entferntes Ziel ins Auge, hebt man den Blick und schaut durch den oberen Teil. Beim Lesen jedoch senkt man ihn und benutzt damit das Feld, das für die Nähe bestimmt ist. Nur wenn Sie beim Gehen plötzlich direkt vor Ihren Füßen ein Hindernis erwarten, z.B. eine Bordsteinkante oder Stufen, blicken Sie natürlich auch durch den Nahzusatz Ihrer Brille, dann ist das Bild mehr oder weniger unscharf. Es gilt daher, am Anfang etwas vorsichtig zu sein. Sie werden sich aber in wenigen Tagen daran gewöhnt haben. Zunächst ungewohnt, jedoch nicht weiter störend sind die Trennkanten beim Übergang von der einen zur anderen Korrektionszone. Sie verursachen zudem einen geringfügigen Bildsprung, den man aber nach kurzer Zeit nicht mehr wahrnimmt.

Können Mehrstärkengläser und Gleitsichtgläser auch mit weiteren Eigenschaften kombiniert werden ?

Wie bei jedem anderen Korrektionsglas stehen hier technisch viele Möglichkeiten offen.
1. Zusatzwirkung Entspiegelung
Die Entspiegelung mindert die störenden Reflexe und erhöht die Lichtdurchlässigkeit. Mit einer "Superentspiegelung" läßt sich die Restreflexion nahezu vollständig beseitigen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist die ästhetisch günstige Wirkung.
2. Zusatzwirkung Sonnenschutz
Durch absorbierende Gläser kann die Lichtdurchlässigkeit vermindert werden. Außerdem werden die ultravioletten Strahlen absorbiert. Geringfügige Tönungen haben hauptsächlich kosmetische Effekte. Auch eine automatische Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse ist möglich. Die Fachbezeichnung für Gläser, die sich selbsttätig einfärben, heißt "phototrop". Absorbierende Gläser - auch phototrope Gläser mit mehr als 20 % Tönung im aufgehellten Zustand - sollen nicht zum Autofahren in der Dämmerung und bei Nacht getragen werden.
3. Zusatzwirkung mehr Bruchfestigkeit
In bestimmten Berufen und bei manchen Sportarten ist die Bruchgefahr der Brillengläser erhöht. Die Lösung des Problems: nahezu bruchfeste Gläser aus Kunststoff. Bei gleicher optischer Präzision zeichnen sie sich außerdem durch ihr niedriges Gewicht aus. Sie sind nur etwa halb so schwer wie Silikat-Gläser. Kunststoftgläser verkratzen jedoch leichter, sie könnten aber mit einer Hartschicht versehen werden und haben dann eine für die normalen Tragebedingungen ausreichende Verschleißfestigkeit.

Lösung für schwierige Sehaufgaben am Arbeitsplatz: Mehrstärkengläser in Spezialausführung
Viele Berufe stellen besonders hohe Anforderungen an die Augen, die mit der Brille, mit der man sonst gut zurechtkommt, nicht zu erfüllen sind. Daher wurden unzählige Variationen entwickelt, die auf spezielle Tätigkeiten zugeschnitten sind. So ist es z.B. möglich, daß die Nahkorrektion im oberen Teil des Glases angeordnet ist oder daß die Zone für die mittlere Distanz den größten Raum einnimmt. 
Die nachlassende Akkommodationsfähigkeit ist heute wirklich kein Sehproblem mehr - es läßt sich durch die entsprechende Brille immer beheben.

 

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